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November 21, 2015

Ein Kaffeehaus als Nabel der Welt

Lloyd’s of London. Das Traditionshaus, bekannt für verrückte Versicherungen, schaut über den Tellerrand

Die Finger von Stones-Gitarrist Keith Richards, die Beine von Fußballstar David Beckham oder die weihnachtliche „Schneewette“ des Elektrohändlers: Es gibt nichts, was Lloyd′s of London nicht versichert. Wirtschaftlich relevant sind diese Promi-Deals nicht, aber sie liefern gute Schlagzeilen. Und das Traditionshaus pflegt seinen Spezialistenruf mit Bedacht: Lloyd′s gilt als erste Adresse, wenn sich Unternehmen vor außergewöhnlichen Risiken schützen wollen. Lloyd′s ist dabei freilich kein klassischer Versicherer wie Allianz oder Generali, sondern ein Marktplatz, an dem Versicherungsverträge gehandelt werden.

Anfänge im Kaffeehaus

Und das seit 328 Jahren. Begonnen hat alles (dem Wiener nicht fremd) im Kaffeehaus: In Edward Lloyd’s Coffeehouse, 1688 erstmals erstmals erwähnt, trafen sich Geschäftsleute, die sich über den Verbleib ihrer Handelsschiffe informieren wollten. Bald stießen reiche Privatleute dazu, die bereit waren, die Schiffbruch-Risiken zu schultern. Das brachte den sogenannten „Names“ Steuervorteile, konnte sie aber das letzte Hemd kosten: Sie hafteten unbegrenzt mit Ihrem Privatvermögen.

Im kern funktioniert das Geschäft noch genauso, erzählt Lloyd’s-Broker Alec Finch im Gespräch mit dem KURIER: „Wir handeln auf sehr altmodische Art, immer mit persönlichem Kontakt.“ Ein zugelassener Broker trägt den Kundenwunsch zu Lloyd’s und stellt sich bei einem Spezialisten (underwriter) an. Dieser bewertet die Risiken und erstellt einen Preis. Der Vorteil: Man kennt und vertraut einander. Oder auch nicht, wenn man sich einmal die Finger verbrannt hat. Will der Underwriter das Risiko nicht allein stemmen, sucht sich der Broker in der Runde weitere Geschäftspartner. Statt reichen Privatleuten sind es heute meist Banken oder Versicherungshäuser, die das Kapital bereitstellen und die 96 sogenannten Syndikate ausmachen. Ein zentraler Fonds garantiert, dass Forderungen selbst dann gezahlt werden, wenn ein Syndikat pleitegeht. So überstand Lloyd’s stürmische Zeiten. Die Versicherung trug etwa die Hauptlast beim Untergang der Titanic. Vor dem Attentat von 9/11 hatte Lloyd’s sowohl das World Trade Center als auch die Flugzeuge versichert.

Erste weibliche Chefin

Die Kehrseite des Traditionsbewusstseins: Lloyd’s hatte das Image des Männerbundes. Erst 1973 wurden weibliche Broker zugelassen. Nach ihrem ersten Handelstag stellte Liliana Archibald trocken fest: „Das Dach ist noch drauf.“ Die Bastion ist gefallen: Seit 2014 ist die frühere Rugby-Spielerin und offen bisexuelle Managerin Inga Beale (51) Chefin des ältesten Versicherers. Weltweit tätig war Lloyd’s immer, Basel will das Haus aber mit neuen Büros in den Schwellenmärkten öffnen: „Wir haben zu lange gedacht, London sei der Nabel der Welt.“

Quelle: www.kurier.at

Simon Egger

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